Zur Situation des Schutzes vor Hochwasser an der Elbe im Bereich des Landkreises Meißen

Als Kreisrat fühle ich mich gegenüber meinen Wählern im Elbtal zur Rechenschaft verpflichtet. Durch die Mithilfe bei der Überwindung der Flutschäden 2001 und 2013 und als Träger des Sächsischen Fluthelferordens kenne ich das Leid betroffener Bürger.

Als zur Kreistagssitzung im September 2017 der Leiter der Bürgerinitiative Nünchritz zum Schutz vor Hochwasser Beschwerde über unzureichende Unterstützung führte, bot ich ihm die Hilfe der AfD - Fraktion an. Darauf klärte mich Herr Neumann auf, etwas dagegen zu haben, wenn eine Partei sich die Angelegenheit auf den Tisch ziehe, schließlich sei er der Gründer der Ortsgruppe Nünchritz der SPD.

 

Trotzdem gelang es unserer Fraktionsvorsitzenden die Herren Neumann und Schmidt, Bürgermeister i.R., zur Fraktionssitzung im April 2018 einzuladen, um ihre Probleme erläutern zu können: Mithilfe eines Institutes aus Nürnberg sei man zu der Erkenntnis gekommen, daß die Auswirkungen der Hochwasser 2002 und 2013 nur deshalb so katastrophal waren, weil es einen Rückstau an den Elbbrücken bei Riesa gegeben habe, wodurch dann die Havarie an dem Damm vor dem Prommnitzer Wäldchen eingetreten ist.

 

Die Aussage ist richtig! Nur die erwähnte Ursache, Altlasten aus der DDR seien daran schuld, ist Unfug: Das Stahlwerk hätte Schlacke zu Manöverzwecken, beginnend am Prommnitzer Wäldchen, am rechten Ufer in die Elbe verkippt.

 

Wahr ist: In den 1960er Jahren wurde aus Abbruchmaterial aus den Siemens-Martin-Öfen des Stahlwerkes Buhnen bis zur Flußmitte angelegt, die dann untereinander verbunden wurden, so daß rechteckige Areale entstanden sind. Diese dienten bei Niedrigwasser dazu, daß das Wasser an das linke Ufer gedrängt wurde, damit an der Kaimauer und am Steindamm die anlegenden Lastkähne mit Getreide und Roheisenmasseln eine „Handbreit Wasser unter dem Boden hatten“.
Sich bildender Bewuchs wurde regelmäßig, auch durch Soldaten der NVA, beseitigt. Bei steigendem Elbpegel wurden diese Buhnen überflutet. Es gibt Zeugen, die diesen Sachverhalt noch kennen.

 

In den folgenden Monaten befaßte ich mich intensiv mit dieser Thematik und erhielt Kenntnis von einem Bericht in der Wochenzeitschrift „Neue Solidarität“ von Toni Kästner, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Verlag „FUSION“. Im Internet nachzulesen unter: „Neue Solidarität 27/2013: Überschwemmungen sind das Resultat von Sparpolitik und grüner Ideologie“. Weitere Erkenntnisse zur Historie und zum Zustand der Elbe erlangte ich aus dem Bildband „Elbehäfen in Sachsen“ von Prof. Dr. habil. Fritz Heinrich und Kapitän Detlef Bütow, Dresden 2002.

 

Zum Wiener Kongreß 1815 wurde die Elbe zur internationalen Wasserstraße erklärt und der Sächsische Landtag beschloß 1861 (!) einstimmig den Ausbau der Elbe zur gefahrlosen Ableitung von Hochwasser- und Eisabgängen. Dieses installierte System hat über 100 Jahre funktioniert bis es infolge der Verwahrlosung 2002 zur Katastrophe gekommen ist. Konkret ist dies zu erkennen an den Auflandungen, begünstigt durch den Bewuchs mit Sträuchern und Bäumen, durch Ablagerung von ausgebaggerten Sedimenten aus der Fahrrinne an den Ufern (beispielweise liegt gegenüber Schloß Hirschstein und bei Seußlitz sogar ein Steinhaufen).

 

In der „Reihe Archivbilder Riesa“ von 1999 ist auf den Bildern von vor 100 Jahren wie auch noch 1968 der hindernisfreie Zustand des Deichvorlandes im Bereich der Brücke und bei Prommnitz dokumentiert.

 

Der aktuelle Zustand der Ufer im Bereich der Riesaer Elbbrücken mit dem Blick stromaufwärts vom Ufer unterhalb der Eisenbahnbrücke ist auf dem beigefügten Bild zu sehen.

 

Der Bewuchs wirkt wie eine „grüne Staumauer“, durch die der Flußquerschnitt bei Hochwasser stark eingeschränkt wird.

 

Die Oberelbe wurde zum Naturschutzgebiet „Natura 2000“ und die Unterelbe zu UNESCO-Biosphärenreservaten erklärt. Damit war das ehemalige Anliegen, Hochwasser zügig zur Nordsee abzuleiten, praktisch gestorben. Die neue Strategie führt dazu, daß Hochwasser in die benachbarten Flächen überströmt mit allen Gefahren für die Menschen im Flußtal, deren Hab und Gut sowie der Infrastruktur.

 

Im Urstromtal der Elbe wurde ein Wohn-und Gewerbegebiet nach der Wende angesiedelt, wohl wissend, daß mit der neuen Strategie das Hochwasser nicht mehr vorrangig im Flußbett abgeleitet wird. Röderau - Süd ging unter, der Eisenbahndamm wurde schwer beschädigt.

 

Ich besichtigte im August die Elbdammbaustelle zwischen Moritz und Prommnitz. Mit dem Anlegen einer befestigten Dammüberlaufstelle ist die neue Herangehensweise zu erkennen. Der bisherige Elbdamm bis nach Prommnitz wurde vollständig entfernt und ein neuer wird zur Zeit angelegt. Wenn man vom Überlauf stromauf und stromab blickt, sieht man die Bollwerke, wie das Prommnitzer Wäldchen, die den Hochwasserabfluß erheblich behindern. Schauen Sie sich das an und lassen sie sich vom Fährmann berichten, wie das Ufer bei Prommnitz immer höher verlandet. Die „alte“Dammhöhe reicht nun nicht mehr aus!

Wie weit der Bewuchs des Promnitzer Wäldchens reduziert werden kann, muss von verantwortungsvollen Fachleuten entschieden werden.

 

Die Verschärfung der Hochwasserproblematik durch Bewuchs und ungenügende Entfernung von Sedimentablagerungen aus der Flutrinne wurde von der AfD – Fraktion schon in unserer Pressemitteilung vom 01.09.2016 zur Kreisstraßenbefahrung am 23.08.2016 geschildert.

 

In meiner Sorge um die Wirksamkeit des neuen Elbdammes bei einem Hochwasser habe ich mich beim Landtagspräsidenten Rößler zur Sprechstunde angemeldet und ihm meine bisherigen Recherchen im Vorfeld zur Verfügung gestellt. Am 27.8.2018 war mein Besuch nach 25 Min. beendet. Der Präsident ist der Meinung, daß die vielen Maßnahmen des eingeleiteten Hochwasserschutzes geeignet seien Sicherheit zu bringen und die Schwarzulmen bei Prommnitz nicht gefällt werden könnten. Ich könne mir den Dammbau in Radebeul ansehen. Meine Bedenken wurden offensichtlich nicht ernst genommen.

 

Seltsam erscheint, daß durch die SPD-Grüne-Piraten Fraktion im Juni 2018 zur Kreistagssitzung eine Beschlußvorlage eingebracht wurde, in der sinngemäß der Landrat verpflichtet wird, sich um die Beräumung des Deichvorlandes zu kümmern.

Dabei sind üblicherweise diese Parteien Bremser, wenn es darum geht, Bewuchs entlang der Elbe zu regulieren.

Dazu paßt auch die Tatsache, daß mir auf Anfrage beim Sächsischen Landwirtschafts- und Umweltministerium im April 2018 mitgeteilt wurde, daß es auf Grund der unterschiedlichen Interessen der beteiligten Akteure noch keine Übereinkunft über die Zukunft der Elbe gibt! Es werde jedoch Verständnis für meine Sorgen aufgebracht.

Der oben genannte Beschluß wurde im Kreistag bei einer Gegenstimme mehrheitlich angenommen.

Aus meiner Sicht ist nur der „Schwarze Peter“ weitergereicht worden: Wir haben es ja gesagt, wenn es schief gegangen ist!

Nach wie vor betrachte ich die sofortige Beräumung des Deichvorlandes als eine dringende Maßnahme zur Schadensbegrenzung bei einem Hochwasser. Die Auflandungen sind ohnehin kurzfristig nicht zu beseitigen.

 

Bitte überzeugen Sie sich selbst, wem Sie künftig Ihr Vertrauen schenken wollen.

 

Noch zur Information: Da die Elbe durch mehrere Bundesländer sowie die Tschechische Republik fließt, müssen länderübergreifende Maßnahmen mit den anderen Bundesländern und der Tschechischen Republik abgestimmt werden. Deshalb habe ich die Problemstellung auch dem Petitionsauschuß des Bundestages zugearbeitet.

 

 

Werner Laaser, Kreisrat

 

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